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patkan
FSI EEI, FabLab
(Administrator)
Member since Oct 2010
170 posts
Subject: "Fachkräftemangel"
Da bin ich gerade drüber gestolpert und wollte das mit euch teilen:

http://www.karriere-ing.de/arbeitswelt/article/89830/0/Ang…
claudio
Member since Feb 2011
3 posts
Dass der VDI der Industrie näher steht als den eigentlichen Arbeitnehmern ist ja schon fast ein offenes Geheimnis. Kein Wunder also dass ihre Prognosen so ausfallen.
Leider wird aber bei solchen Berichten wie auch bei solchen die den Mangel beschwören selten auf regionale Unterschiede eingegangen, die Schwankung dürfte hier je nach Region enorm sein.
Was meiner Meinung nach am meisten Erfolg verspricht ist frühzeitig in Betrieben zu arbeiten und Netzwerke aufzubauen bzw. zu nutzen, ob es einem gefällt oder nicht: Vitamin-B verspricht oft die besten Aussichten, egal in welchem Bereich. Sich eines Top-Jobs sicher zu sein ist genauso unsinnig wie den Teufel an die Wand zu malen - ändern wird das an der Welt und der Art wie sie funktioniert herzlich wenig.
Robert Herre
Member since Oct 2010
91 posts
"Wie kann das sein?"

Nunja. Ein relativ einseitiger Bericht..

Dass der VDI als arbeitgebernaher Verein wohl kaum die Interessen der deutschen Ingenieure vertritt, wurde ja schon erwähnt - das ist aber auch nichts neues, daran entzündet sich schon seit langem immer wieder Kritik. Was will man machen? Austreten, selber eine Interessensvertretung gründen. Zeit wirds ja eigentlich, ich ärgere mich schon seit geraumer Zeit, dass wir Techniker keine richtige Lobby haben und dazu teilweise noch das gesellschaftliche Stigma der "Langweiler" tragen oder dass unser Wirken einfach unter den Tisch gekehrt und ignoriert wird. Blättert mal eine Ausgabe der NEON durch (dem Vernehmen nach ein sehr populäres Magazin unter den 20- bis 30-jährigen) und schaut ob ihr da EINEN Artikel über MINT-Studenten oder -Absolventen findet, IRGENDWAS. Fehlanzeige. Es wird suggeriert, dass ja eh alle IMM-Fächer studieren und gut, vollkommen unreflektiert, und das in einem Land, das einen riesigen Wohlstand besitzt - und zwar wegen Leuten wie Siemens, Daimler, Porsche etc. etc. etc., und nicht weil Goethe versaute Gedichte geschrieben hat. (Nicht falsch verstehen bitte, sicher muss es auch Leute geben die Marketing machen, Psychologen, Kulturwissenschaftler, was weiss ich, aber eben nicht NUR! Irgendwer muss halt auch neue Sachen erfinden und bauen, Wohlstand generieren..) - Aber gut. Das ist hier nicht der Punkt. :-)

Also, dass der VDI als arbeitgebernahe Institution natürlich ein gewisses Interesse daran hat, dass der Markt mit möglichst vielen möglichst billigen möglichst jungen Ingenieuren übersättigt ist, ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Abseits der üblichen statistischen Augenwischerei ("Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast") bleibt aber festzuhalten, dass die ganze Problematik eben nicht einfach so auf eine griffige Schlagzeile ("100 Millionen Ingenieure fehlen in Deutschland!") reduziert werden kann. Es gibt nämlich nicht einfach nur Ingenieure, es gibt Bauingenieure, Chemie- und Bio-Ingenieure, Maschinenbauingenieure, Elektroingenieure (die Liste ließe sich beliebig fortsetzen), und es gibt auch nicht nur Elektroingenieure, es gibt Anlagentechniker, Informatiker, Energietechniker, Hochfrequenztechniker, etc. etc. etc.

Wenn ich als Firma jetzt einen Hochfrequenzingenieur für eine spezielle Aufgabe brauche, dann hilft es mir rein gar nichts, wenn ein Energietechniker sich bewirbt - der ja auch wiederum seine Vertiefungs- und Spezialrichtung hat und (mit fortschreitender Berufserfahrung) ein u.U. sehr eng definiertes Fachgebiet, in dem er sich halt besonders gut auskennt. Ergo: So einfach geht's halt nicht. Manche Leute sind gefragt wegen dem was Sie machen (Vertriebsingenieure z.B. werden überall händeringend gesucht), andere halt leider nicht so. Es ist einem erwachsenem Menschen bzw. Hochschulabsolventen (!) aber durchaus zuzumuten, sich VORHER zu informieren und die eigene Spezialisierung dann eben anzugleichen. Einfach so durchs Leben studiert und gearbeitet und dann hinterher jammern, weil auf einmal keiner einen Fachmann für Rauschminimierung bei einem veralteten Mikrochip oder sowas will - Sorry, dann ist man irgendwo auch selber schuld.

Das ist der eine Punkt. Der nächste hängt damit zusammen, wird aber bei solchen dramatischen Berichten erst recht nicht erwähnt: Es gibt gute und schlechte Ingenieure. Ist ein Ingenieur gut, hat er in der Regel einen Job (oder mehrere an der Hand), auch wenn er älter wird (und damit mehr kostet). Ist er nicht gut, schlägt sich das (leider, leider..) in den Arbeitszeugnissen nieder. In dem Beitrag wird argumentiert, die beiden arbeitslosen Ings. da wären "hochqualifiziert" - das heißt dann wohl: Diplom vor Jahrzehnten mal mit "gut" oder meinetwegen "sehr gut" absolviert. Nun, das ist nett, zählt aber heute nichts mehr - oder nicht viel: Je länger ein Ingenieur im Berufsleben steht, desto unwichtiger werden irgendwelche Noten, die man mal im Studium hatte. Umgekehrt proportional wichtiger werden dagegen die Arbeitszeugnisse und in welcher Frequenz Jobwechsel (auch und gerade wegen Kündigung: "Guten Leuten kündigt man nicht") erfolgt sind. Ich will den beiden Ings. in diesem Beitrag da nichts unterstellen, aber es würde mich durchaus mal interessieren, wie da die Arbeitszeugnisse ungefähr klingen ("Erledigte die ihm zugetragenen Aufgaben meist sorgfältig" - man kennt die Floskeln) und wie oft da z.B. munter nach nicht mal einem Jahr gekündigt wurde, oder ob da überhaupt ein "roter Faden" im Lebenslauf erkennbar ist. Weil ganz ehrlich: mehr als 100 Bewerbungen ohne Erfolg, das KANN nicht sein. Beim besten Willen nicht. Ich meine, wer für 30k arbeiten würde.. da verdient ja ein Bandarbeiter bei Mercedes mehr.

Aber das ist halt die unangenehme Wahrheit, die möchte man natürlich nicht so gern hören... lieber dem VDI und den bösen Firmen die Schuld geben (entschuldigt den Sarkasmus)...
Christian St.
Member since May 2011
212 posts
Ich meine, wer für 30k arbeiten würde.. da verdient ja ein Bandarbeiter bei Mercedes mehr
Naja, die Leiharbeiter nicht, vielleicht die fest angestellten…

Und zur Qualifikation: von den Firmen, mit deren Vertretern ich bisher gesprochen habe, meinten einige, es sei fast oder ganz egal, welche Spezialisierungsrichtung wir in Bachelor oder Master einschlagen…

Aber richtig, der VdI ist eher ein Verband der Unternehmen als der Ingenieure, und auch die öffentliche Wahrnehmung ist gründlich verzerrt.
Robert Herre
Member since Oct 2010
91 posts
Ja, am Anfang ist das relativ egal. Einem Jungingenieur der frisch von er Uni kommt traut man zu, dass er sich in beinahe alle Fachgebiete selbstständig einarbeiten kann - schließlich hat er genau das in seinem Studium gelernt. Nebenher: DAS ist der Grund, warum Ingenieure am Anfang so gut bezahlt werden. Was einer genau gelernt hat, ist da nicht _so_ wichtig. :-)

Nur sieht das eben anders aus, wenn jemand wie die beiden Ingenieure in dem Beitrag 40-50 ist. Da ist man einfach nicht mehr so flexibel, kann nicht mehr einfach so irgendwas ganz anderes neu lernen, dafür ist einer frisch von der Uni viel viel besser geeignet. Und siehe da, der machts auch für 40-50k p.a. und nicht für 70-80k (Berufserfahrung schlägt sich im Gehalt wieder).
Robert Herre
Member since Oct 2010
91 posts
Vielleicht mal als Update, Ausrisse aus zwei aktuellen Artikeln zum Thema:

VDI-Nachrichten vom 7. März 2014, Titelseite Management & Karriere - Teil:

"Aus Sicht der Industrie ist der Fachkräftemangel spür- und sichtbar"

ARBEITSMARKT: Die Zukunftsaussichten von Elektroingenieuren sind gut. In der Elektrotechnik und Elektronikindustrie sowie IKT finden sie ein attraktives und zukunftssicheres Arbeitsumfeld. Aktuell steigen die Studentenzahlen in der Elektrotechnik und Informatik. Personaler rechnen trotzdem mit einem Mangel.

Ausschnitt aus dem folgenden Beitrag:

"Gut ausgebildete Ingenieure der Elektrotechnik könnten sich ihren Arbeitgeber gewissermaßen aussuchen", sagt Markus Rieger, Bildungsreferent im ZVEI. Im Durchschnitt würden Absolventen fünf Bewerbungen schreiben, bis sie eine Anstellung haben, die Arbeitslosenquote liegt bei bescheidenen 1,6 % und die Einstiegsgehälter je nach Region zwischen 38 000 € und 44 000 € per anno. "Die Zukunftsaussichten von Elektronikingenieuren sind blendend, sie finden in der Elektrotechnikindustrie und Elektroindustrie ein attrakatives und zukunftssicheres Umfeld."

Den gesamten Artikel habe ich in Papierform vorliegen und werde Ihn bei Interesse einscannen und hier zur Verfügung stellen.


Jetzt im Vergleich dazu ein Artikel vom 10. März 2014, erschienen auf SZ.de:

Arbeitslosigkeit bei Fachkräften
Die Mär vom Ingenieurmangel

Junge Männer und Frauen strömen in die Ingenieurstudiengänge - mit der Hoffnung auf einen sicheren Job und ein gutes Gehalt. Doch immer mehr Absolventen landen bei Leiharbeitsfirmen. Experten warnen den Nachwuchs vor einer Kampagne der Arbeitgeber.

Ausschnitt aus dem folgenden Beitrag:

Für Karl Brenke, Volkswirt am Deutschen Institut für Wirtschaft, sind Dienstleister Teil der künftigen Arbeitswelt. Glücklich ist er darüber nicht, aber für Firmen sei es so einfacher, bei schlechter Konjunktur Kosten zu sparen. "Außerdem sind sie ein klares Indiz dafür, dass es keinen Ingenieurmangel gibt. Gäbe es ihn, würden Unternehmen mit aller Macht versuchen, Ingenieure fest bei sich anzustellen."

Nach fünf Monaten Jobsuche ist der Bewerbungsmarathon für den Luft- und Raumfahrtingenieur Peter Müller zu Ende gegangen, er steht eben in Diensten eines Dienstleisters. Er arbeitet jetzt doch für jenen Konzern, bei dem er einst seine Diplomarbeit geschrieben hat. Natürlich nur: als Leiharbeiter.

Den gesamten Artikel gibt es hier: http://www.sueddeutsche.de/karriere/arbeitslosigkeit-bei-f…


Was denkt ihr? Was sind eure Erfahrungen? Ich persönlich bin im Januar mit dem Master fertig geworden und habe jetzt nach ca. fünf Bewerbungen zwei Absagen, aber auch zwei positive Antworten erhalten (mir liegt noch kein konkreter Arbeitsvertrag vor, aber ich bin zuversichtlich, dass ich in absehbarer Zeit in Lohn und Brot stehe). Ich sehe die Lage darum momentan noch relativ entspannt, habe aber auch nicht den Eindruck, als würden die Unternehmen "auf mich warten" *g*
aelray
Member since Oct 2010
80 posts
Ich denke es ist schon ein Mangel vorhanden. Der ist aber teilweise selbstverschuldet, weil die Firmen spezialisten suchen die schon weit in die Thematik eingearbeitet sind, und sie Investition und Gefahr scheuen einen frischen Absolventen einzuarbeiten. Das ist der Hauptgrund denke ich warum es so viele freie Stellen gibt was die Wirtschaft natuerlich auch nutzt um weiterhin Meldungen rauszuhauen dass Fachkraeftemangel besteht. Diese Meldungen erzeugten, unter anderem, in den letzen Jahren einen Anstieg der Studentenzahlen in den Bereichen Ingenieurwesen und Informatik. Letzteres auch mit dem Effekt mehr Absolventen zu generieren womit die Wahrscheinlichkeit steigt das zufaellig einer bereits sofort sehr gut auf das beschriebene Stellenprofil passt. Also so wie in dem Artikel der Sueddeutschen auch beschrieben. Wobei der Artikel noch hervorhebt dass der beispielhaft genannte Herr Mueller sehr gute Noten in seinem Abschluss vorzuweisen hatte. Das zeigt nur dass Noten nicht so wichtig sind wie von vielen geglaubt, besonders in Anbetracht dessen das Benotung stark variiert von Dozent zu Dozent.

Nicht jede Ingenieursausbidlung ist gleichermassen gesucht, dazu kommt dass es momentan einen grossen Run auf die Energie- und Antriebstechnik Richtung gibt was natuerlich eine staerkere Konkurrenz bei Bewerbungen in diese Richtung beschert. Wie man ja an dem Beispiel des Artikels aus der SZ sehen kann, der gute Herr hat seine Abschlussarbeit in der Automobilindustrie geschrieben und wurde nicht uebernommen.

Was ich waehrend meines Studiums bemerkt habe ist, ist eine gewisse Programmierfaulheit bei vielen EEI Studenten, was sehr nachteilhaft ist in der heutigen Arbeitswelt da irgendwelche Programmierkentnisse in dem Grossteil der Stellenausschreibungen fuer Ingenieure gefordert werden. Dieser Mangel an einer Grundfaehigkeit disqualifiziert einen bereits fuer viele Jobs, da es sehr schwer ist fuer jemanden der noch nie irgendetwas Programmiert hat es zu lernen, was zu einer extrem langen Einarbeitungsphase fuehren wuerde. Die Abwandlung von Grundlagen der Informatik mit schriftlicher Pruefung zur reinen Scheinleistung tut sein uebriges hinzu....
Christian St.
Member since May 2011
212 posts
Ich habe den Eindruck, aelray hat Recht: Im Grunde hätten die Unternehmen lieber Leute, die sich in ihre Themen schon eingearbeitet haben. Das ist aber eine Arbeit, die die Unternehmen bezahlen müssen (aus meiner Sicht), aber häufig nicht tun, weil sie zu kurzfristig denken. Schulung von Mitarbeitern ist eine Investition, die sich nicht im nächsten Quartal und selten im nächsten Geschäftsjahr amortisiert hat.

Auch beim Programmieren kann ich aelray zustimmen, möchte das aber auf alle Ingenieursstudiengänge erweitern: Software ist unser wichtigstes Werkzeug. Wenn es das Werkzeug nicht gibt, müssen wir es eben selber machen. Wie sollen sonst Messungen/Tests automatisiert und die Ergebnisse ausgewertet werden?
Robert Herre
Member since Oct 2010
91 posts
Quote by Christian St.:
Wie sollen sonst Messungen/Tests automatisiert und die Ergebnisse ausgewertet werden?

Also, dafür gibt's doch Excel ;-)

Ihr habt jetzt beide den fehlenden Einarbeitewillen der Firmen (und besonders der Mittelständler?) bemängelt, und dazu fällt mir spontan ein Kommentar unter dem SZ-Artikel ein, geschrieben offenbar von einem entnervten Personaler: Was die Ingenieure denn bitte wollten, viele Firmen seien schließlich schon so verzweifelt, dass sie sogar Absolventen einstellten!

Tja, was soll man dazu sagen.. Tatsächlich wird in Stellenanzeigen zumindest dem Gefühl nach _oft_ nach 2-3jähriger Berufserfahrung gefragt, und wenn, dann garantiert unter den ersten drei Anforderungspunkten (=Ausschlusskriterien). Andererseits bieten aber viele gerade größere Firmen auch aufwendige mehrjährige Traineeprogramme an, teilweise mit von Anfang an unbefristeten Vertrag.. Man kann also nicht ganz von der Hand weisen, dass der Wille, in Ausbildung zu investieren, bei deutschen Firmen vorhanden ist. Ob und wie der angehende Facharbeiter bzw. Spezialist davon profitiert, ist jedoch eine andere Frage.
glean
Member since Mar 2011
8 posts
Recht interessanter Beitrag zum Thema in der ARD-Mediathek:
http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokument…?docume…
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